• PLANEN, BAUEN, WOHNEN, LEBEN IN ZUKUNFT THE FUTURE IS PINK

Die Geschichte weiterschreiben

Das Sportzentrum Kerenzerberg (SZK) wurde 1971 eröffnet und in den letzten Jahren sukzessive erweitert. Mit der neuen Dreifachsporthalle sowie einem Ersatzneubau für den Unterkunftstrakt des Badener Architekturbüros Burkard Meyer wurde dieser Ausbau 2021 abgeschlossen und die Gesamtanlage nachhaltig saniert. Der hoch aufragende achtgeschossige Unterkunftstrakt bildet dabei das neue funktionale und räumliche Zentrum und versteht sich als Kontrapunkt zu den Sporthallen, welche als flache grossmassstäbliche Baukörper mit dem Terrain verschmelzen. 

Der Zürcher Sport ist auf dem Kerenzerberg zuhause – und dies seit 50 Jahren. Das Sportzentrum für Breiten- und Spitzensport im glarnerischen Filzbach – das zweitgrösste in der Schweiz – liegt auf 700 m über dem Meer, auf einer Geländeterrasse 300 m über dem Walensee. Seit 1971 wurde die Anlage kontinuierlich ausgebaut. Doch bereits in den 1990er-Jahren zeigte das Sportzentrum Altersspuren, der Bedarf nach mehr Hallenraum, zusätzlichen Theorieräumen und einer höheren Bettenkapazität zog 2015 einen Architekturwettbewerb des Kantons Zürich nach sich. Sieger war das Projekt „Silhouette“ von Burkard Meyer Architekten. Das Büro schlug ein Ensemble aus Dreifachsporthalle, Werkhof, diversen Theorie-, Gemeinschafts-, Regenerations- und sportmedizinischen Räumen sowie einem Unterkunftstrakt vor. Leitende Idee war es, die Gebäude möglichst kompakt und rationell zu organisieren, um so die Wege möglichst kurz zu halten und Raum für Sportanlagen und Aktivitäten im Freien zu gewinnen. 

Schritt für Schritt
In einer ersten Etappe realisierten die Badener Architekten die hangseitig angeordnete Dreifachsporthalle mit Nebenräumen und einem Werkhof. Die Halle, welche teilweise in die Topographie eingelassen ist, ergänzt das vorhandene Angebot an Sporthallen und bildet den ersten Teil einer neuen, die einzelnen Gebäudeteile verbindende Raumstruktur. Mit ihren längsseitig angeordneten Nebenräumen entwickelt sich die neue Halle über drei Etagen und findet im Werkhof ihren oberen Abschluss. Die weit ausgreifende Raumlandschaft wird durch Aussenhöfe gegliedert und ordnet die Gesamtanlage in der Horizontalen räumlich wie funktional neu. 

Bestand und Neubau als Einheit
Einen Kontrapunkt bildet der im November 2021 fertig gestellte Unterkunftstrakt, welcher an der steil abfallenden Hangkante in die Höhe ragt. Der achtgeschossige Neubau ist durch einen eingeschossigen Flachbau an das bestehende Haupthaus angebunden. Der Wohnturm macht die Institution weithin sichtbar und verleiht dem Ort eine zeichenhafte bauliche Mitte. Der Bau wird durch die gegossene Betonhülle geprägt und verweist in seiner Materialität auf die umliegenden Bestandsbauten, die sandgestrahlte Oberfläche führt ihn jedoch in die Neuzeit. Die kräftigen Metalleinfassungen der Fenster sind das zweite prägende Element der Fassade.
Das Innere des zurückhaltend gestalteten Gebäudes besteht demgegenüber komplett aus Holz, was dem Herbergscharakter des Baus Rechnung trägt. Das Innenleben aus aufeinandergestapelten Raummodulen in Holz wurde bei ERNE AG Holzbau produziert. Die 77 im Werk vorgefertigte Einheiten – unterteilt in fünf verschiedene Zimmertypen – wurden dann einzeln mithilfe eines Spezialkrans in die Ortsbetonhülle abgesenkt. Die Konstruktion besteht aus mit CLT-Brettsperrholz verleimten Massivholztafeln, für den Innenausbau wurden Dreischichtplatten verwendet. Bei den bereits vollständig ausgebauten Zimmern und Nassräumen konnten nach dem Versetzen nur noch die Installationen gekoppelt und wenige Ausbauarbeiten finalisiert werden. Dadurch konnte der Bauprozess massiv beschleunigt werden: In nur drei Wochen erfolgte der Einbau aller Einheiten, dies reduzierte die Bauzeit insgesamt um rund drei Monate. «Die Schnittstelle von Modulbau und Bauen vor Ort musste reibungslos funktionieren», erklärt Projektleiter Urs Riniker. «Das war relativ komplex – doch es hat sich gelohnt». Das Ensemble überzeugt als Kombination aus Beton und massivholzbau auch ökologisch: So erfüllt die äussere, sich selbst tragende Sichtbetonfassade die MinergieP- Anforderungen. 

Das Untergeschoss als Ort der Vernetzung
Wesentliches Element der ganzen Neuordnung ist der im ersten Untergeschoss des Unterkunftstrakts gelegene zentrale Erschliessungsraum, der die Gebäude des Bestandes mit den neuen Bauten verbindet. Das Unterkunftsgebäude bildet dabei das Zentrum, hier verbindet sich das Erdgeschoss mit dem Untergeschoss durch eine geschwungene Treppe. Zusammen mit den vier Tiefhöfen und einem grosszügigen Oberlicht entlang einer Turnhalle entsteht so eine „Unterwelt“, die weit mehr ist als nur die Verbindung der Bauten – sie dient vielmehr dem Aufenthalt und dem Austausch unter den Sportler:innen. 

Text: Burkhard Meyer.

© Roger Frei, Zürich

Meistgelesen

Meistgelesen