An der Allmendstrasse 32 in Thun hat akkurat bauatelier den Umbau der bestehenden Liegenschaft zu seinen neuen Büroräumen zusammen mit Ateliernutzungen realisiert. Im Inventar der kantonalen Denkmalpflege ist das Gebäude – ursprünglich als Kutschenremise gebaut – aus dem Jahr 1811 als schützenswert aufgeführt.
Städtebau und Aussenraum
In seiner Volumetrie blieb das Gebäude weitgehend unverändert. Einzig einige störende Anbauten haben wir rückgebaut, vor allem auf der Nordseite. Die umlaufende Pflästerung wurde wiederhergestellt, unpassende Pflanzungen entfernt und die neue Umgebungsgestaltung zurückhaltend, aber präzise aufs Bestandesgebäude ausgerichtet ergänzt. Die Fassaden wurden, wo nötig, so umgestaltet, dass das Haus seine bauzeitliche Stattlichkeit wieder erlangen konnte und so heute seiner ursprünglichen Bedeutung sowie seiner Stellung im Stadtgefüge gerecht wird.
Organisation und Innenraum
Die Vision für das Gebäude war die, eines lebendigen Atelierhauses mit verschiedenen Betrieben. Die neuen Nutzungen wurden geschossweise angeordnet – erhalten und präzisiert werden sollten die unterschiedlichen Qualitäten der beiden Gebäudeteile Ost und West. Über die Schauseite zur Stadt hin orientiert die Stuben im Erd- und Obergeschoss, dazugehörig die ehemaligen Bedienstetenzimmer im Dach. Ehemals stadtauswärts gerichtet fanden sich im Erdgeschoss die Kutschenräume, darüber einfache Wohnungen. Der bestehende Zugang blieb zudem erhalten und die Stuben dienen heute als Sitzungs- und Aufentaltsräume. Der westliche Gebäudeteil soll als flexibel zonierbarer Raum den Arbeitsplätzen und zugehörigen ergänzenden Nutzungen dienen. Über die direkte Treppenverbindung erschlossen nutzen wir das Untergeschoss als Werkstatt und Materialsammlung mit der Möglichkeit, bei passenden Themen auch hier Besprechungen durchführen zu können. Kompakte, einfach ausgestattete Basiseinheiten mit je zwei Räumen und Nasszelle können nach Bedarf einzeln genutzt oder zu grösseren Nutzflächen zusammengelegt werden.
Konstruktion und Oberfläche
Als ausgemauertes Holzfachwerk wurde das Gebäude seinerzeit errichtet und erfuhr über seine mehr als zweihundertjährige Geschichte viele tiefe und teilweise unsorgfältig ausgeführte Eingriffe. Innenseitig musste ein Rückbau bis auf die rohe Konstruktion umgesetzt werden, um die nötigen statischen Ertüchtigungen sorgfältig einpassen zu können. Die inneren Verkleidungen wurden als zeitgemässe Interpretation der gestemmten Holzoberflächen geplant. So konnte gleichzeitig die Gebäudehülle energetisch ertüchtigt werden. Gebäudetechnisch wurde das Gebäude auf einen einfachen, aber aktuellen Stand gebracht durch eine komplette Neuinstallation der Gewerke Sanitär, Heizung und Elektro. Vollflächig verlegte Bodenheizungen sorgen für ein gutes Raumklima.
Materialisierung
Äusserlich ergibt sich das Farb- und Materialkonzept aus einer ausführlichen Untersuchung der bestehenden Schichten durch unseren Retauratoren mit dem Ziel, die bauzeitliche Qualität und Farbigkeit der Oberflächen wiederherstellen zu können. Gebrochen weiss getünchte Kalkputzflächen, ergänzt mit Leibungen und Zierelementen in sandsteingrau, grünen Jalousien und grauen Holzteilen prägten die ursprüngliche Erscheinung. Einzelne Gebäudeteile, wie die Laube oder die weitgehend geschlossene Westfassade, wurden in Naturholz gehalten.
Text: akkurat bauatelier
©Damian Poffet (Aussen/Erdgeschoss) © Roland Trachsel (Dachgeschoss)
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